Wickert, Wolfram : Equinox

Equinox
Roman von Wolfram Wickert. 2005. 384 Seiten. 13 x 21 cm. kartoniert.
Der Roman EQUINOX, eine Familiensaga über drei Generationen, ist frech, frei und frivol geschrieben. Hauptperson und Schelm, ein junger, jüdischer Unternehmer, heiratet zum Entsetzen aller die Tochter eines katholischen Metzgers; ein Glück, denn sie rettet ihm im Dritten Reich das Leben.

Sowohl jüdische als auch katholische Familien geraten unaufhaltsam in den Sog des Nationalsozialismus. Die einen zögernd oder notgedrungen, die anderen treten aus Begeisterung in die Partei ein. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, die Eroberung Europas und der Sahara zeigen bald: Sieger fühlen sich im Recht. Die Katholische Familie sitzt vor dem Volksempfänger, steckt Fähnchen auf Landkarten, um den Vormarsch der Soldaten, die Siege von Verwandten und Bekannten an der Front zu feiern; Pater Felix, der Beichtvater, will den Pabst nach Barcelona schicken und einen gewaltigen Dom in Jerusalem bauen. Alle sind sie mitmarschiert, sonst hätte die Wehrmacht in Europa nicht das unterste zu oberst kehren können! Auch in den besetzten Ländern singen zahlreiche Franzosen, Belgier und Holländer das Lied der Nationalsozialisten, solange diese im Zenith ihrer Macht stehen! Jene scheuen sich sogar nicht, jüdische Onkel, Tanten und Vettern zu verraten und nach Auschwitz in den Tod zu schicken.

Auf das Ende des Krieges folgt der Katzenjammer. In der katholischen Familie will niemand Nazi gewesen sein; seien sie doch nur in die „Partei“ eingetreten, um Schlimmeres zu verhüten! Die meisten Franzosen, Belgier und Holländer fühlen sich dagegen als Widerstandskämpfer.

Der Sieger habe immer recht?

Die katholischen Onkeln und Tanten bekrabbeln sich indessen und gaukeln ihren Kindern vor, als diese rebellisch werden, die Verbrechen der Nationalsozialisten seien ihnen „unerklärlich“; sie würden diese heute selbst nicht mehr verstehen und wüssten nur zu gut, dass sie von ihren jüdischen Verwandten keine Verzeihung erwarten könnten.

Der jüdische Pfiffikus, die Hauptperson des Romans, der Krieg mit Hilfe seiner katholischen Frau überlebt, versucht indessen, die in alle Welt verstreute jüdische Familie wieder an sich und Deutschland zu binden. Jahrzehnte nach Kriegsende treffen katholische und jüdische Verwandte zur Hochzeit der Enkelin aufeinander.

Enkel David, abgebrochenes Studium, Insolvenz eines Fotokopiergeschäftes, Sozialhilfeempfänger und gleichzeitig Schwarzarbeiter, ein Spätentwickler also, wirft den alten katholischen Onkeln und Tanten vor, ihr Engagement im Dritten Reich verharmlost zu haben; er wolle Genaueres wissen; denn die finanzielle Situation des Staates erscheine ihm so, als ob sie der vor der "Machtergreifung" Hitlers zu ähneln beginne.



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